Auch in Krun: Das Labor siegt über die Natur


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LOKALES REKORDFOTO: Der letzte Bulle in der Gegend verließ Anfang des Monats den Stall von „Shoglbauer“. Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (links) begrüßt Maxl im Beisein von Landwirt Matthias Gschwendtner (rechts) und seinem Schwiegersohn Stefan Bauer.
LOKALES REKORDFOTO: Der letzte Bulle in der Gegend verließ Anfang des Monats den Stall von „Shoglbauer“. Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (links) begrüßt Maxl im Beisein von Landwirt Matthias Gschwendtner (rechts) und seinem Schwiegersohn Stefan Bauer. ©Privat

Die Chancen, dass heimische Bullen in Krün wieder glückliche Kühe produzieren, liegen bei nahezu Null. Dem stehen Vorschriften, Gesetze und örtliche Gegebenheiten entgegen. Es hat auch Vorteile, ein Herrchen in der Herde zu haben.

Krun – Vor drei Wochen haben die Klüner eine 90-jährige Tradition zu Ende gebracht. Anschließend wurde der letzte Regionalbulle aus dem Stall „Schoglebauern“ geführt. „Wir haben uns das Ganze von allen Seiten angeschaut, aber es hat sich nichts herauskristallisiert, was sich umsetzen ließe“, sagt Alois Kramer, selbst Landwirt, CSU-Landesrat und Agrarberater.

Der Hauptgrund dafür, dass die Bullenzucht generell immer schwieriger wird, ist die sogenannte Unfallverhütungsverordnung der Sozialversicherung für Land- und Forstwirtschaft und Gartenbau (SVLFG), die ab dem 1. April auch für alle Altbauten gilt. Daher ist es nicht mehr erlaubt, Zuchtbullen in Milchviehherden zu halten. „Er muss in einer separaten Bullenbox gehalten werden“, erklärt Maria Reutenbauer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Weilheim. Die Boxgröße erfordert 10 Quadratmeter + 30 Quadratmeter Platz. Wenn die Kuh trächtig werden möchte, muss sie mit der Kuh in die Box getrieben werden. Der Grund für diese Regelung liegt laut SVLFG darin, dass zwar nur wenige Betriebe Bullen züchten, die meisten schweren Unfälle und Todesfälle in der Nutztierhaltung jedoch mit Bullen in Zusammenhang stehen.

„Das macht den Bullenbesitz für Landwirte weniger attraktiv“, erklärt Leutenbauer. In Berlin und Brüssel schwebt das Damoklesschwert über der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, das drohende Verbot der angebundenen Landwirtschaft dürfte bis 2029 gelten.

Bis Ende der 1990er Jahre gab es sogar ein Gesetz, das alle Gemeinden dazu verpflichtete, auf eigene Kosten örtliche Bullen zu halten. Nach und nach überwand das Labor die Natur. Zumal die künstliche Befruchtung für einen schnelleren Fortgang der Fortpflanzung sorgte und vor allem die Ausbreitung von Zuchtkrankheiten verhindern konnte. „Künstliche Befruchtung ist auch im Bio-Bereich Standard“, sagt Leutenbauer. Lediglich die Demeter-Gesellschaft empfiehlt ausdrücklich die Zucht von Bullen. Dadurch sind Bullen zu einem wichtigen Bestandteil der Milchviehherden geworden.

In der Praxis bedeutet dies für den Landwirt einen deutlich geringeren Aufwand bei der Beobachtung der Brunst (Paarungsbereitschaft). „Er ist zuversichtlich, dass die Kühe geschützt werden“, erklärt Leutenbauer. Wenn der Stier entkommt, muss der Landwirt eine doppelte Pflicht erfüllen: die Hitze überwachen und die Kuh zum Stier treiben. „Dann können wir eine künstliche Befruchtung durchführen.“



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