Ein Cannabislabor in einem bayerischen Dorf – und niemand merkt es


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In Bayern gibt es ein börsennotiertes Cannabisunternehmen. „Wir wollen nicht, dass die Leute wissen, dass wir hier sind“, sagt der Chef. Sogar der Bürgermeister weiß es nicht wirklich.

An der Hauptstraße einer Gemeinde in Unterfranken steht eine Gruppe unscheinbarer weißer Gebäude. Der Hinterhof führt in ein zweites Gebäude, dessen Tür mit einem Zahlencode gesichert ist. Hinter ihnen standen Mitarbeiter in Laborkitteln, deren Mund und Haare geschützt waren, und Hunderte Kilo Marihuana.

Dorfvorsteher sagt, dass es im Dorf ein Cannabis-Forschungsinstitut gibt. „Ich weiß nicht, wie viele Leute davon wissen.“

Das börsennotierte Cannabisunternehmen Cantourage hat in Unterfranken ein Forschungslabor eingerichtet. Aus Sicherheitsgründen können wir den genauen Standort nicht angeben. Dieser Geheimkurs funktioniert vorerst. An der Fassade befindet sich kein Firmenlogo. Daher wissen nur wenige Menschen im Dorf, was hinter dem Zaun passiert. Und selbst der Bürgermeister, ein CSU-Politiker, war zunächst etwas überrascht, als wir nach dem Rathauslabor fragten. „Na ja, wir wissen nicht genau, was dort getrocknet wird“, sagt er. „Nach allem, was ich gehört habe, war es eher medizinisches Marihuana. Ich weiß nicht einmal, wie viele Leute hier tatsächlich viel über dieses Zeug wissen.“

Obwohl er selbst noch nicht im Institut war, erklärt er, dass an der Firma nichts auszusetzen sei. „Als Gemeinde waren wir eigentlich nur in Bezug auf die Bauvorschriften involviert, weil diese Anlage besondere Anforderungen erfüllen muss.“ „Alles ist ganz normal“, sagt er. Auf jeden Fall ist der Unkrautanbau hier völlig legal – und das nicht erst seit Inkrafttreten des Ampelgewerkschafts-Cannabisgesetzes am 1. April.

Cantourage produziert medizinisches Cannabis. Hanfpflanzen werden von Partnern in Neuseeland, Jamaika und Uruguay bezogen und innerhalb der Gemeinschaft verarbeitet. Die Pflanzen werden zunächst getrocknet und dann in geeignete Größen geschnitten, um Bakterien zu entfernen. Die groben Vorarbeiten erfolgen mit einer Trommelmaschine, der Feinschliff erfolgt per Hand. Alles geschieht unter strengen Hygienevorschriften. Mund-, Bart- und Haarschutz gehören ebenso zur Standardausrüstung wie Handschuhe und ein weißer Ganzkörperanzug. Sobald das medizinische Cannabis zubereitet ist, wird es gewogen, verpackt und an die Apotheke geschickt.

Mitarbeiter bereiten Cannabis für die weitere Produktion vor.
In Unterfranken arbeiten ca. 25 Personen. Hier bereiten zwei von ihnen das Cannabis für die weitere Produktion vor. ©Andreas Schmidt

Medizinisches Marihuana: „Marihuana-Rezepte sind jetzt leicht erhältlich“

Seit 2017 können Ärzte in Deutschland Cannabis zur Behandlung von Erkrankungen wie chronischen Schmerzen und Epilepsie verschreiben. Die Einführung von Cannabis für den Freizeitmarkt hat es einfacher gemacht, selbst leichte Beschwerden wie Kopfschmerzen und Schlafstörungen zu verschreiben.

Das neue Gesetz bedeutet, dass Cannabis nicht mehr als Droge gilt. Das bedeute, „dass es einfacher ist, ein Rezept für Cannabis zu bekommen, weil die Ärzte offener mit dem Thema umgehen und mehr Ärzte verschreiben“, erklärte Cantourage-Chef Philipp Schetter in einem Interview. IPPEN.MEDIA. „Cannabis hat mittlerweile den Status von Ibuprofen 600. Es ist kein Medikament, aber auf Rezept erhältlich.“

Eigentlich muss man einen Arzt aufsuchen, um ein Rezept zu bekommen. Üben Sie vor Ort oder online per Videoanruf wie Cantourage. Die Recherchen unserer Redaktion haben jedoch ergeben, dass einige Anbieter diese Vorgabe umgehen. Schetter erkennt dies an. „Wir haben das erste Geschäftsmodell, bei dem Rezepte fast automatisch erstellt werden.“

Bayerisches Cannabisunternehmen: „Niemand sollte wissen, dass wir hier sind“

Obwohl das Unternehmen sein Geschäft nie auf den Freizeitmarkt ausgerichtet hat, profitiert es nun zwangsläufig von den neuen Regelungen der Ampelgewerkschaft. Das Unternehmen wächst daher und erweitert seine Produktionsstätten in Unterfranken. Am bescheidenen Erscheinungsbild nach außen soll sich jedoch nichts ändern. „Auf dem Gelände lagern Hunderte Kilogramm Cannabis und niemand sollte wissen, dass wir hier sind.“

Auch hier möchte Schetter aus Sicherheitsgründen keine konkreten Zahlen nennen. Denn „Gelegenheit bringt Diebe hervor.“ Bisher kam es zu keinen größeren Zwischenfällen. „Einmal stand nachts ein Mann an der Tür eines Hauses und klingelte. Ein Polizeialarm ging los und die Situation beruhigte sich schnell wieder.“ (als)



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