Vitaminmangel: Wie sinnvoll sind Blutuntersuchungen?


Aktuell: 5. November 2021 11:53 Uhr

Labortests zum Vitaminspiegel im Blut sind oft teuer und wenig aussagekräftig. Eine individuelle Untersuchung auf Vitamin D, B12 oder Folsäure ist jedoch durchaus hilfreich.

Labortests zum Vitaminspiegel im Blut liegen im Trend, immer häufiger werden umfangreiche Vitamintests bestellt, die durchaus zwischen 600 und 700 Euro kosten können. Tatsächlich sind viele Menschen davon überzeugt, dass sie nicht automatisch alle notwendigen Vitamine über die Nahrung aufnehmen können. Drogerien und Supermärkte verkaufen eine Vielzahl von Nahrungsergänzungsmitteln. Ein Vitaminpräparat, das gegen Augen-, Haut- und Haarermüdung wirkt. Dies könnte bei Verbrauchern Bedenken hinsichtlich der Entwicklung bestimmter Vitaminmängel hervorrufen.

Decken Sie Ihren Vitaminbedarf mit einer ausgewogenen Ernährung

Experten haben jedoch deutlich gemacht, dass in Deutschland kein Grund zur Sorge besteht. Bei einer mäßig abwechslungsreichen Ernährung, teilweise auch mit Kartoffelchips oder Fertigpizza, enthält unsere Nahrung genügend Vitamine und Spurenelemente. Dies gilt insbesondere bei der Verwendung frischer Produkte.

Tagesbedarf: Lebensmittelangaben sind nur Richtwerte.

„Empfohlene Verzehrmengen“ oder „Tagesbedarfe“, die auf Lebensmittelverpackungen angegeben sind, erwecken den Eindruck, dass Verbraucher jeden Tag mindestens diese Menge eines Nährstoffs zu sich nehmen müssen, um das Risiko eines Mangels zu vermeiden. Tatsächlich handelt es sich dabei um langfristige Durchschnittswerte, die als Orientierung dienen. Daher ist es durchaus akzeptabel, dass diese Werte mehrere Tage lang nicht erreicht werden.

Kostspielige Blutuntersuchungen werden von der Krankenkasse oft nicht übernommen.

Einige Ärzte und Heilpraktiker empfehlen auf ihren Webseiten vorsorglich umfangreiche Vitamintests. Experten kritisierten den Schritt als einen panikmachenden Versuch, mit teuren Blutuntersuchungen Geld zu verdienen. Dabei handelt es sich meist um sogenannte Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL), die nicht von Ihrer Krankenkasse bezahlt werden.

Es gibt keinen einheitlichen Referenzwert oder Standardwert.

Auch „Referenzwerte“ und „Standardwerte“ erfordern generell Vorsicht. Um festzustellen, welche Werte im Normbereich liegen, haben verschiedene große Labore in Deutschland Hunderte Blutproben gesunder Menschen analysiert. Da der Vitaminspiegel bei gesunden Menschen stark schwankt, hat jedes Labor unterschiedliche Gesundheitswerte ermittelt. 95 Prozent dieser gesunden Werte wurden als Referenz- oder Normalbereich gewertet. Allerdings waren die höchsten und niedrigsten Werte, auch bei gesunden Personen, nicht standardisiert.

Jedes große Labor analysiert unterschiedliche Blutgruppen und hat daher unterschiedliche Referenzbereiche. Da die Standardwerte zudem auf einer Untersuchung einer speziellen Gruppe, der sogenannten Bevölkerung, basierten, spiegeln die Standardwerte nicht die gesamte Bevölkerung wider. Um Kosten zu sparen, wurden bestehende Bevölkerungsgruppen berücksichtigt, beispielsweise Militärpersonal. Das bedeutet, dass der so ermittelte Referenzwert für einen 18-jährigen Mann gilt, nicht jedoch für eine 80-jährige Frau.

Schwerwiegende Krankheiten können übersehen werden

Experten befürchten, dass die Fokussierung auf abnormale Vitaminspiegel möglicherweise unentdeckt bleiben könnte. Ärzte empfehlen daher sinnvolle Tests, die von den Krankenkassen bezahlt werden und wichtige Hinweise auf Vorerkrankungen geben können. Dazu gehören beispielsweise das kleine Blutbild, das große Blutbild, die Schilddrüsenhormone sowie die Nieren- und Leberfunktion. Die Messung des individuellen Vitaminspiegels wird bei begründetem Verdacht auch von der Krankenkasse übernommen.

Vitamin D, B12, Folsäure: Blutuntersuchungen können hilfreich sein

Allerdings können bestimmte Tests in bestimmten Situationen hilfreich sein.

  • Vitamin D wird vom Körper unter dem Einfluss von Sonnenlicht selbst hergestellt, daher ist es sinnvoll, die Vitamin-D-Konzentration im Blut in der dunklen Jahreszeit zu messen. Vitamin D ist besonders wichtig für starke Knochen, gesunde Muskeln und Haare. Ein Vitamin-D-Mangel kann auch zu einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen und neurologische Störungen wie Migräne führen. Auch Depressionen, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden mit einem Vitamin-D-Mangel in Verbindung gebracht.
  • Vitamin B12 und Folsäure sind wichtig für die Nervenfunktion, die Blutbildung, die Zellteilung und Wachstumsprozesse. Wenn Sie sich strikt vegan ernähren oder eine unausgewogene Ernährung haben, kann es sinnvoll sein, Ihren Vitamin-B12-Spiegel testen zu lassen.
  • Folsäure ist in der Schwangerschaft besonders wichtig für die Entwicklung des Nervensystems des Kindes.

Dagegen werden Messungen der Vitamine A, C und Biotin als unnötig erachtet.

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