Fleisch aus dem Labor: ungeschlachtetes Steak



Hintergrund

Aktuell: 29. September 2021 10:32 Uhr

Ein Startup arbeitet daran, im Labor Fleisch aus Stammzellen zu entwickeln, und die ersten Restaurants servieren es bereits. Könnte dies die Lösung für globale Klima- und Ernährungsprobleme sein?

Geschrieben von Notker Blechner, tageschau.de

Bill Gates, Richard Branson und Leonardo DiCaprio haben eines gemeinsam: die Liebe zu synthetischem Fleisch. Das Trio investiert in Startups, die an Technologien zur Herstellung von Hamburgern und Chicken Nuggets aus In-vitro-Fleisch arbeiten. Letzte Woche schloss sich Hollywoodstar DiCaprio Mosa Meat in den Niederlanden und Aleph Farms in Israel an.

DiCaprio investiert in zwei Startups

Prominente Investoren sehen in Good Meat einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und einen Weg weg von der Massentierhaltung. „Eine der wirksamsten Möglichkeiten zur Bekämpfung der Klimakrise ist die Umgestaltung unseres Ernährungssystems“, erklärte DiCaprio. Die Unternehmen bieten neue Möglichkeiten, „den weltweiten Rindfleischbedarf zu decken und gleichzeitig eines der drängendsten Probleme der heutigen industriellen Rindfleischproduktion anzugehen“.

Laut Forschern der Universität Amsterdam und der Universität Oxford reduziert In-vitro-Fleisch die Treibhausgasemissionen um 78 bis 96 Prozent und benötigt im Vergleich zu Fleisch aus konventioneller Tierhaltung bis zu 99 Prozent weniger Wasser Der Verbrauch kann um bis zu 96 % reduziert werden. Schätzungen in der Forschung. Zudem entfällt die Notwendigkeit, Tiere zu schlachten.

„Eine der effektivsten Möglichkeiten, die Klimakrise zu bekämpfen, ist die Umgestaltung unseres Lebensmittelsystems.“ – Schauspieler Leonardo DiCaprio über seine Investitionen in Mosa Meat und Aleph Farms.

wie man rauskommt Industrielandwirtschaft

Start-ups und Wissenschaftler produzieren in vitro Fleisch aus kultivierten Zellen. Sie entnehmen Zellen von Kühen, Schweinen und Hühnern, isolieren sie und züchten sie im Labor. Schließlich können sie in Bioreaktoren großtechnisch vermehrt und zu Zellmassen verarbeitet werden, aus denen sich dann beispielsweise Hamburgerfleisch formen lässt.

Es wird angenommen, dass Laborburger und synthetische Chicken Nuggets den wachsenden Hunger der Menschheit stillen könnten. Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) wird die Nachfrage nach Fleisch bis 2050 voraussichtlich um 70 % steigen.

Synthetische Chicken Nuggets in Restaurants

In den ersten Ländern wird künstliches Fleisch bereits auf Restauranttellern serviert. Singapurs gehobener Club 1880 serviert knusprige, mit Sesam überzogene Chicken Nuggets und Knödel für knapp 15 €. Wenn Sie kein Noble Club-Mitglied sind, können Sie auch das experimentelle Hühnchen im JW Marriott Hotel Singapore South Beach probieren. Einige Restaurants in Israel servieren auch Laborfleisch.

Im Jahr 2020 erhielt das kalifornische Startup Eat Just als erstes Unternehmen weltweit die Zulassung für synthetisches Fleisch aus echten Muskelzellen. Eat Just ist eines von rund 80 Startups, die derzeit weltweit im experimentellen Fleischmarkt aktiv sind. Sie haben Millionen von Dollar von Investoren wie Gates und DiCaprio eingesammelt. Auch traditionelle Lebensmittelunternehmen gesellen sich zu jungen Unternehmen. Die Wiesenhof-Gruppe PHW schließt sich Supermeat in Israel an.

Eatjust will in Katar eine Großfabrik bauen

Bald wird es in noch größerem Maßstab Versuchsfleisch geben. Eat Just plant eine große Fabrik in Katar. Die Golfstaaten könnten bald grünes Licht für den Verkauf von In-vitro-Fleisch geben. Dann können wir es in die ganze Welt liefern.

Zu den deutschen Unternehmen, die sich besonders in Zukunftsmärkten engagieren, gehört der Chemie- und Pharmakonzern Merck. Das Darmstädter Unternehmen bietet Reagenzien und Geräte für Zellkultur und Zellkulturmedien. Merck versteht sich als Technologieanbieter für aufstrebende Unternehmen.

Bioreaktoren verbrauchen viel Energie

Allerdings gefällt nicht jedem die Idee, Fleisch aus der Petrischale zu essen. Starköchin Sarah Wiener hält dies für eine gefährliche und falsche Entscheidung. „Es erfordert viel Energie und Ressourcen, so etwas herzustellen.“

Tatsächlich würde eine Massenproduktion riesige, energieintensive Bioreaktoren erfordern, um das Fleisch zu züchten, sagt Sylvia Wolff vom Karlsruher Institut für Technologie. Darüber hinaus werden Nährlösungen für das Stammzellwachstum häufig fötalen Kälbern entnommen. Dadurch müssen Millionen Kälber sterben. Als Alternative wollen Wissenschaftler und Startups Kälberserum durch pflanzliche Stoffe wie Algen ersetzen.

Fleisch aus Laboranbau ist immer noch nur in einigen Restaurants erhältlich, auch weil die Herstellung weiterhin teuer ist.

immer noch zu teuer

Die größte Hürde für diese neue Technologie ist ihr hoher Preis. Der Preis der Hamburger des Instituts lag 2013 bei rund 250.000 Euro. Jetzt sind es nur noch 45 Euro. Konkurrenzfähige Preise werden laut Untersuchungen des Good Food Institute voraussichtlich erst 2030 erreicht. Experten gehen davon aus, dass Laborfleisch auf lange Sicht günstiger sein wird als herkömmliches Fleisch.

Der Unternehmensberater von Kearney ist davon überzeugt, dass im Labor gezüchtetes Fleisch immer beliebter wird. Sie prognostizieren, dass bis 2040 nur noch 40 Prozent der Fleischprodukte von lebenden Tieren stammen werden.

Sind deutsche Verbraucher bereit?

Es dürfte noch Jahre dauern, bis deutsche Verbraucher synthetisches Fleisch auf den Supermarkttheken finden. Im Gegensatz zu Singapur haben die Lebensmittelbehörden noch keine Genehmigung erteilt. Bisher scheint das Interesse der deutschen Verbraucher nicht groß zu sein. „Ich weiß nicht, ob die deutschen Verbraucher für so etwas bereit sind“, sagte Lugenwerder Mühle-Chef Michael Haenel kürzlich in einem Interview.



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